6.1 EN 50174 - Installation von Kommunikationsverkabelung

6.1 EN 50174 - Installation von Kommunikationsverkabelung

Wichtig: Eine Verkabelung ist nur konform zur EN 50173, wenn auch die EN 50174 eingehalten wird!

Teil 1: Spezifikation und Qualitätssicherung

Planungsprozess (regelgerechte Vorgehensweise):

  • Anforderungsanalyse: Welche Dienste, welche Bandbreiten, welche Verfügbarkeit?
  • Konzepterstellung: Topologie, Verteilerstandorte, Verkabelungswege
  • Systemauswahl: Festlegung der Klasse/Kategorie basierend auf Anforderungen
  • Dokumentation: Pflichtenheft mit allen technischen Spezifikationen

Dokumentationsanforderungen (Pflichtdokumente):

  • Verkabelungsplan mit allen Verteilern und Trassen
  • Etagenpläne mit Anschlusspunkten und Nummerierung
  • Kabelliste mit Typ, Länge, Start- und Endpunkt
  • Messprotokolle für alle Übertragungsstrecken
  • Abnahmeprotokoll mit Unterschriften
  • As-Built-Dokumentation (wie tatsächlich gebaut)

Abnahmekriterien (zwingend zu erfüllen):

  • Alle Messungen müssen innerhalb der Normgrenzwerte liegen
  • 100% der Übertragungsstrecken müssen geprüft sein
  • Dokumentation muss vollständig und nachvollziehbar sein
  • Beschriftung muss eindeutig und dauerhaft sein
  • Mangelfreie Installation (keine Kabelschäden, korrekte Verlegung)

Teil 2: Installationsplanung und -praktiken in Gebäuden

Verlegungsarten (zulässige Installationsmethoden):

  • Kabeltrassen und -pritschen: Bevorzugt für horizontale Verkabelung
  • Installationsrohre: Bei Unterputz oder Fußbodenkanälen
  • Kabelkanäle: Für sichtbare Verlegung in Büros
  • Doppelböden: Häufig in Rechenzentren
  • Unterdecken: Abgehängte Decken mit Kabelführung

Biegeradien (technische Mindestanforderungen):

  • Twisted-Pair-Kabel (Kupfer):
    • Während der Installation: 8x Kabeldurchmesser (z.B. 6mm Kabel = 48mm Radius)
    • Nach der Installation (fest verlegt): 4x Kabeldurchmesser
  • Lichtwellenleiter:
    • Während der Installation: 20x Kabeldurchmesser
    • Nach der Installation: 10x Kabeldurchmesser
  • Wichtig: Bei Unterschreitung → Beschädigung der Kabelstruktur → Übertragungsprobleme!

Zugkräfte (maximale Belastung beim Einziehen):

  • Twisted-Pair 4-paarig: max. 100 N (ca. 10 kg)
  • Glasfaserkabel: max. 50-80 N (je nach Typ)
  • Niemals am Stecker ziehen, immer am Kabel selbst!
  • Bei längeren Strecken: Einziehseile und Gleitmittel verwenden

Brandschutzanforderungen (Bauordnungsrecht):

  • Brandabschottungen bei Durchbrüchen durch Brandwände/Decken
  • Verwendung von CPR-klassifizierten Kabeln (siehe separater Abschnitt)
  • Kabeltrassen aus nicht brennbarem Material
  • Dokumentation der Brandschutzmaßnahmen

Abstandsregelungen zu anderen Installationen:

StörquelleMindestabstandBemerkung
Starkstrom 230V/400V30 cmBei paralleler Verlegung
Leuchtstofflampen10 cmElektronische Vorschaltgeräte weniger kritisch
Aufzugsschächte30 cmStarke elektromagnetische Felder
Trafo-Stationen100 cmSehr hohe EMV-Belastung

Bei Kreuzungen: 90° Winkel bevorzugt, minimiert Störeinflüsse

Teil 3: Installation von Außenanlagen

Erdverlegung (Tiefbauverlegung):

  • Verlegetiefe: Mindestens 60 cm (frostfrei)
  • Unter Verkehrsflächen: Mindestens 80 cm
  • Schutzmaterial: Sandschicht oben/unten (10 cm), dann Abdeckung mit Warnband
  • Trassenführung: Gradlinig, dokumentiert mit Einmessung
  • Kabeltyp: Speziell für Erdverlegung (mit Nagetierschutz, wasserdicht)

Kabeltrassen (oberirdische Verlegung):

  • An Gebäudefassaden oder auf Masten
  • Korrosionsgeschützte Befestigung
  • UV-beständige Kabel verwenden
  • Blitzschutz und Erdung beachten
  • Regelmäßige Sichtkontrolle erforderlich

Schutzmaßnahmen:

  • Mechanischer Schutz: Kabelschutzrohre (KG-Rohre) bei Erdverlegung
  • Elektrischer Schutz: Überspannungsschutz an Gebäudeeinführungen
  • Wasser-/Feuchtigkeitsschutz: IP67-Muffen an Verbindungsstellen
  • Blitzschutz: Potentialausgleich, ggf. Glasfaser bevorzugen (kein Blitzschlag)