Glossar
Alphabetische Referenz aller Fachbegriffe mit Definitionen und Erklärungen.
A
360-Grad-Kontaktierung
Vollumfängliche Verbindung des Kabelschirms mit dem Stecker-/Dosengehäuse. Ermöglicht optimale HF-Abschirmung über das gesamte Frequenzspektrum.
Abnahmekriterien
Definierte Prüfpunkte und Grenzwerte für eine erfolgreiche Projektabnahme. Umfassen Messungen, Sichtprüfung und Dokumentation.
Abnahmeprotokoll
Formelles Dokument zur Übergabe einer Verkabelungsanlage. Dokumentiert den Zustand bei Abnahme und startet die Gewährleistungsfrist.
ACR
Attenuation to Crosstalk Ratio - Verhältnis von Dämpfung zu Übersprechen. Berechnet sich aus NEXT minus Dämpfung. Muss positiv sein. Je höher, desto bessere Signalqualität.
Anwendungsneutralität
Grundprinzip der strukturierten Verkabelung: Die Verkabelung unterstützt alle heutigen und zukünftigen Kommunikationsdienste unabhängig von der spezifischen Anwendung.
AP
Arbeitsplatz oder Access Point (je nach Kontext). Als Arbeitsplatz: Endgerät-Position. Als Access Point: WLAN-Sender.
ANSI/TIA-568-C
Amerikanischer Standard für strukturierte Verkabelung. Paralleles Pendant zur europäischen EN 50173.
Ausfallsicherheit
Fähigkeit eines Systems, bei Ausfallsereignissen weiterhin funktionsfähig zu bleiben. Durch sternförmige Topologie und Redundanzen in strukturierter Verkabelung erreicht.
As-Built-Pläne
Dokumentation des tatsächlich ausgeführten Zustands nach Abschluss der Installation. Weicht oft von Planungsplänen ab und ist die verbindliche Referenz für Wartung und Erweiterungen.
B
Bauüberwachung
Regelmäßige Kontrolle der Installationsarbeiten durch den Auftraggeber oder beauftragten Planer. Sichert Qualität und Normkonformität.
Biegeradius
Minimaler Radius beim Kabelbiegen ohne Strukturschäden. Bei Twisted-Pair während Installation: mindestens 8× Kabeldurchmesser (z.B. 6 mm Kabel = mindestens 48 mm Radius).
Brandabschnitt
Bauordnungsrechtlich definierter Gebäudebereich, der im Brandfall die Ausbreitung auf max. 400 m² begrenzt.
Brandabschottung
Bauliche Maßnahme zur Verhinderung von Brandausbreitung durch Kabeldurchführungen. Muss nach Installation wiederhergestellt werden.
Brandschutz
Bauordnungsrechtlich geforderte Maßnahmen zur Verhinderung von Branddurchschlag und Raucheintritt. Relevant für CPR-Klassifizierung von Kabeln.
Brandschutzabschottung
Brandschutztechnische Maßnahme (z.B. Brandabschottungskissen), um Branddurchschlag durch Kabeltrassen in Brandwänden/Decken zu verhindern.
C
CAD
Computer Aided Design - Software zur Erstellung technischer Zeichnungen und Pläne. Standard für Verkabelungsplanung.
Cat 5
Kabelkategorie für strukturierte Verkabelung. Ältere Kategorie, heute überholt. Spezifikation für 100 Mbit/s.
Cat 5e
Enhanced Cat 5 - verbesserte Version von Cat 5. Standard bis ca. 2010. Unterstützt Gigabit Ethernet, aber mit Einschränkungen.
Cat 6
Kabelkategorie mit höherer Spezifikation. 250 MHz Frequenz, 1 Gbit/s. Bessere Übersprechleistung als Cat 5e.
Cat 6A
Enhanced Cat 6 - aktueller Standard für Neuinstallationen 2025. 500 MHz, 10 Gbit/s, guter Kompromiss zwischen Zukunftssicherheit und Kosten.
Cat 7
Kabelkategorie mit sehr hoher Spezifikation. 600 MHz, unterstützt 10 Gbit/s. Mit Paarschirmen, teurer als Cat 6A.
Cat 7A
Enhanced Cat 7. 1.000 MHz, 10-40 Gbit/s. Für besondere Hochleistungsanforderungen.
Cat 8
Neueste Kabelkategorie. 2.000 MHz, 25-40 Gbit/s. Hauptsächlich für Rechenzentren mit kurzen Distanzen (max. 30m).
CE-Kennzeichnung
Conformité Européenne - EU-Konformitätskennzeichnung. Zeigt an, dass ein Produkt die EU-Anforderungen erfüllt. Bei Kabeln relevant für CPR (Brandschutz) und EMV.
CENELEC
Comité Européen de Normalisation Electrotechnique - Europäisches Komitee für elektrotechnische Normung. Verantwortlich für EN-Normen.
CD
Campus Distributor - Siehe Standortverteiler (SV).
Channel
Gesamte Übertragungsstrecke inklusive Patchkabel an beiden Enden. Besteht aus Permanent Link (max. 90m) + Patchkabel (max. 2×5m) = max. 100m. Messung am Channel ist praxisnäher als Permanent Link.
CPR
Construction Products Regulation - EU-Bauproduktenverordnung, seit 1.7.2017 verpflichtend. Definiert Brandklassen für Kabel in fest installierten Anlagen.
Crosstalk
Unwillkommene elektromagnetische Kopplung zwischen benachbarten Adernpaaren. Störsignal, das Datenqualität beeinträchtigt.
D
Dämpfung
Signalverlust beim Durchgang durch das Übertragungsmedium, gemessen in dB (Dezibel). Frequenzabhängig – höhere Frequenzen werden stärker gedämpft. Auch: Insertion Loss.
Dämpfungsbudget
Gesamte zulässige Dämpfung einer LWL-Strecke. Berechnung: Faserdämpfung + Steckerdämpfung + Spleißdämpfung + Sicherheitsreserve. Beispiel OM3 300m: 0,9 dB (Faser) + 2,0 dB (4 Stecker) + 3 dB (Reserve) = 5,9 dB.
DIN EN 50173
Deutsche Fassung der europäischen Norm EN 50173 für strukturierte Verkabelung. Inhaltsgleich mit EN 50173, aber in deutscher Sprache.
Datendose
Netzwerkanschluss-Element (passive Komponente) an Arbeitsplätzen. Enthält RJ45-Buchsen, über die Patchkabel angesteckt werden.
Datennetzwerk
Gesamtes System zur Datenübertragung zwischen Computern und Netzwerkgeräten.
Datensicherheit
Schutz von Daten vor unbefugtem Zugriff. In strukturierter Verkabelung relevant für physische Sicherheit der Infrastruktur.
Delay (Signallaufzeit)
Zeitdauer, die ein Signal für die Durchfahrt durch das Kabel benötigt. Frequenz- und längenabhängig.
Delay Skew
Laufzeitunterschied zwischen den verschiedenen Adernpaaren eines Kabels. Kritisch für Gigabit-Ethernet, da alle 4 Paare gleichzeitig genutzt werden. Grenzwert: max. 50 ns (Cat 6A).
Doppelboden
Erhöhter Boden mit Hohlraum (typisch 30-60 cm) zur Kabelführung und Klimatisierung. Standard in Rechenzentren und Serverräumen.
DoP
Declaration of Performance - Leistungserklärung des Herstellers nach EU-Bauproduktenverordnung (CPR). Pflichtdokument für alle Kabel mit CE-Kennzeichnung. Enthält CPR-Brandklasse und Prüfnachweise.
Dichtetabelle
Siehe Abstandsregelungen.
E
ELTCTL
Equal Level Transverse Conversion Transfer Loss - Längsumwandlungsdämpfung am fernen Ende. Messgröße für Symmetrie der Adernpaare. Wichtig für EMV-Eigenschaften bei geschirmten Kabeln. Grenzwerte in EN 50346 definiert.
EMV
Elektromagnetische Verträglichkeit. Fähigkeit eines Systems, ohne Störungen zu funktionieren und andere nicht zu stören. Kritisch in Industrieumgebungen.
EN 50173
Europäische Norm für strukturierte Verkabelung. Grundlage für DIN EN 50173. Definiert Klassen, Topologie und Anforderungen.
EN 50174
Europäische Norm für Installation von Kommunikationsverkabelung. Definiert Planung, Verlegung und Best Practices.
EN 50310
Europäische Norm für Erdung und Potentialausgleich von IT-Verkabelung. Kritisch für EMV.
EN 50346
Europäische Norm für Prüfung installierter Kupferverkabelung. Definiert Messmethoden und Grenzwerte.
EN 50575
Europäische Norm für Brandschutz von Kabeln. Definiert CPR-Klassifizierung und Prüfverfahren.
EN 50600
Europäische Normreihe für Rechenzentren-Infrastruktur. Definiert Verfügbarkeitsklassen und technische Anforderungen.
Erdungswiderstand
Elektrischer Widerstand zwischen Erdungsanlage und Bezugspotential. Grenzwerte: < 10 Ohm (Standard-IT), < 5 Ohm (Rechenzentrum), < 1 Ohm (kritische Anlagen). Messung nach EN 50310.
Euroklasse
Brandverhaltensklasse nach EN 13501. Bei Kabeln: Aca (nicht brennbar) bis Fca (leicht entflammbar) gemäß EN 50575/CPR.
EN 61935-1
Europäische Norm für Messverfahren und Grenzwerte bei Kupferverkabelung. Definiert Messaufbau und Genauigkeit.
Etagenverteiler
Zweitrang-Verteiler pro Etage oder Gebäudebereich. Verteilt Sekundärverkabelung zu den Arbeitsplätzen. Abkürzung: EV. Auch: Floor Distributor (FD).
EV
Abkürzung für Etagenverteiler - siehe Etagenverteiler.
F
FD
Floor Distributor - Siehe Etagenverteiler (EV).
Feuchtigkeitsschutz
Maßnahmen gegen Wassereintritt in Kabel und Verbinder. Besonders bei Erdverlegung wichtig.
FTP
Foiled Twisted Pair - Kabeltyp mit Folien-Gesamtschirm. Bietet Schutz vor extern induzierten Störungen. Auch: STP.
Fusionsspleiss
Dauerhafte Verbindung zweier Glasfasern durch Verschmelzen mittels Lichtbogen. Typische Dämpfung < 0,1 dB. Erfordert Spleissgerät und geschultes Personal. Nicht lösbar, aber beste Qualität.
Frequenz
Anzahl von Schwingungen pro Zeiteinheit. Messung in MHz oder GHz. Je höher die Frequenz, desto höher die mögliche Datenrate.
G
Gebäudeklasse
Baurechtliche Einteilung von Gebäuden nach Höhe und Nutzung gemäß Musterbauordnung (MBO). Klasse 1-5 bestimmen Brandschutzanforderungen und damit erforderliche CPR-Klassen für Kabel. Beispiel: Gebäudeklasse 4 (Hochhaus >13m) erfordert mindestens Euroklasse Cca.
Gebäudeverteiler
Siehe Standortverteiler (SV). Auch: Standortverteiler oder GV.
Geflecht-Schirmung
Schirmung aus verflochtenen Kupferdrähten (im Gegensatz zu Folien-Schirmung). Biegeflexibler, typisch bei S/FTP.
Glasfaser
Siehe Lichtwellenleiter (LWL).
GV
Gebäudeverteiler - Siehe Standortverteiler (SV).
Grenzwert
Maximal- oder Minimalwert, den ein Messergebnis nicht über- oder unterschreiten darf. Definiert in Normen.
Gewährleistung
Zeitraum nach Abnahme, in dem der Auftragnehmer für Mängel haftet. Typisch 2-5 Jahre bei Verkabelungsanlagen.
Gigabit Ethernet
Netzwerkstandard mit 1.000 Mbit/s (1 Gbit/s) Übertragungsgeschwindigkeit. Benötigt mindestens Klasse D (Cat 5e), empfohlen Klasse E (Cat 6) oder höher.
H
Hierarchieebene
Strukturebene in der Verkabelungshierarchie. Drei Ebenen: Primär (Campus), Sekundär (Gebäude), Tertiär (Etage). Jede Ebene hat eigene Verteiler und Medientypen.
Herstellerunabhängigkeit
Prinzip der strukturierten Verkabelung: Komponenten verschiedener Hersteller sind miteinander kompatibel. Spart Kosten und bietet Flexibilität.
I
Impedanz
Widerstand in Hochfrequenzschaltungen. Typisch 100 Ω bei strukturierter Verkabelung. Unterschiede verursachen Return Loss.
Installationsrohre
Kunststoff- oder Metallrohre zur Unterbringung von Kabeln in Wand oder Decke. Fester Verlegeweg, Füllgrad max. 60%. Typische Größen: M20, M25, M32. Auch: Leerrohr, Elektrorohr.
Inbetriebnahme
Aktivierung der installierten Infrastruktur nach erfolgreicher Abnahme. Umfasst Anschluss aktiver Komponenten und Funktionstest.
Informations- und Kommunikationstechnik (IuK)
Allgemeiner Begriff für Daten-, Telefonie- und Kommunikationsdienste. In Wohnungen eines der drei Anwendungsbereiche.
Insertion Loss
Siehe Dämpfung.
Installationskabel
Teil des Permanent Link, fest verlegt (ohne Patchkabel). Maximum 90 m.
Investitionsschutz
Ziel der strukturierten Verkabelung: Infrastruktur soll 10-15 Jahre zukunftssicher sein und neue Technologien unterstützen.
IP67
Schutzart nach IEC 60529. IP6X = vollständig staubdicht, IPX7 = wasserdicht bei zeitweiligem Untertauchen (1m, 30min).
ISO/IEC 11801
Internationaler Standard für strukturierte Verkabelung. Grundlage für EN 50173.
ISO/IEC 14763-3
Internationale Norm für Prüfverfahren von LWL-Verkabelung. Definiert Messmethoden für Glasfaser.
IuK
Siehe Informations- und Kommunikationstechnik (IuK).
K
Kabelkanal
Oberflächenleitungssystem zur Kabelführung, meist aus Kunststoff. Schützt Kabel und erlaubt einfache Erweiterung.
Kabelpritschen
Offene Metallkonstruktion (Leiter- oder Gitterform) zur Kabelführung. Hohe Kapazität, gute Wärmeableitung. Synonym: Kabeltrasse. Typisch in Rechenzentren und Technikbereichen.
Kalibrierung
Regelmäßige Überprüfung und Justierung von Messgeräten gegen bekannte Standards. Bei Kabelmessgeräten jährlich erforderlich. Kalibrierzertifikat mit Rückverfolgbarkeit zur Abnahme beifügen.
Kabelroste
Offene Metallkonstruktion (Gitter/Leiter) zur Kabelführung in Schächten und technischen Bereichen. Gute Wärmeableitung, einfache Montage.
Kabeltrasse
Metallisches oder kunststoffliches Führungssystem für Kabel in horizontaler oder vertikaler Verlegung. Auch: Kabelpritschen.
Kalt-/Warmgang
Konzept zur Luftführung in Rechenzentren. Kaltgang: Zuführung gekühlter Luft zur Rack-Vorderseite. Warmgang: Abführung erwärmter Luft von Rack-Rückseite.
Kategorie
Leistungsklassifizierung einzelner Komponenten (Kabel, Stecker, Dosen). Unterschiedlich von Klasse! Definiert in EN 50288 und anderen Teilnormen.
KG-Rohr
Kanalgrundrohr - orangefarbenes PVC-Rohr für Erdverlegung von Kabeln. Typische Größen: DN 100-150 für Datenkabel.
Klasse
Leistung einer kompletten Übertragungsstrecke (Kabel + Stecker + Dose). Definiert in EN 50173.
Klassifikation
L
Lastenheft
Anforderungsdokument des Auftraggebers. Beschreibt WAS erreicht werden soll, ohne technische Lösung vorzugeben.
Launch Fiber
Referenzkabel für LWL-Messungen (typisch 100-500m). Wird bei OTDR-Messungen verwendet, um den Totbereich (Dead Zone) des Messgeräts zu überbrücken. Auch: Vorlauffaser.
LC-Duplex
Standard-Steckverbinder für Glasfaser im Rechenzentrum. Zwei LC-Stecker in einem Gehäuse für Senden (TX) und Empfangen (RX). Kleiner als SC, daher höhere Portdichte.
Leerrohr
Vorverlegte Rohre (Kunststoff/Metall) für spätere Kabelverlegung. Ermöglicht einfache Erweiterungen ohne Bauarbeiten. Füllgrad max. 60%.
Leistungsbeschreibung
Technische Spezifikation aller Anforderungen an Material, Verlegung und Abnahme. Teil der Ausschreibungsunterlagen.
Level III
Genauigkeitsklasse für Kabelmessgeräte nach IEC 61935-1. Erforderlich für normkonforme Zertifizierung von Cat 6A und höher.
Lichtwellenleiter
Übertragungsmedium aus Glas/Kunststoff, das Signale als Lichtimpulse überträgt. Immun gegen elektromagnetische Störung. Standard für Primärverkabelung. Abkürzung: LWL.
Life-Cycle-Management
Systematische Planung und Überwachung der gesamten Lebensdauer einer Infrastruktur. Typische Nutzungsdauer: 15-20 Jahre.
LSOH
Low Smoke Zero Halogen - Kabeleigenschaft: geringe Rauchentwicklung, keine Halogene im Brandfall. Schützt Elektronik vor korrosivem Rauch. Empfohlen für Rechenzentren und Fluchtwege. Auch: LSZH, FRNC.
LWL
Lichtwellenleiter - siehe Lichtwellenleiter.
M
Meet-Me-Room
Spezieller Raum im Rechenzentrum für externe Carrier-Anbindungen. Hier treffen sich die Netzwerke verschiedener Provider mit dem RZ-internen Netz. Abkürzung: MMR. Kritischer Bereich für Redundanz und Sicherheit.
Materialnachweise
Sammlung von Zertifikaten, Datenblättern und CPR-Nachweisen (DoP) für alle verbauten Komponenten. Teil der Abnahmedokumentation.
Makrobiegung
Große, sichtbare Biegung von Glasfasern. Unter Grenzwert problematisch für Signalausbreitung.
Maschen-Erdung
Erdungsnetz mit mehreren Verbindungen zwischen Körpern/Elementen. Bevorzugt gegenüber Sternpunkt-Erdung für EMV.
Messgröße
Quantität, die gemessen wird (z.B. Dämpfung, NEXT, Return Loss).
Messprotokoll
Dokumentation aller Messergebnisse für eine Kabelstrecke. Erforderlich für Abnahme.
Messtechniker
Fachperson mit Zertifizierung für Messung und Abnahme von Verkabelungsanlagen.
Mikrobiegung
Sehr kleine, oft unsichtbare Krümmung von Fasern. Kann Signalverlust verursachen.
Mechanischer Spleiss
Verbindung zweier Glasfasern durch mechanische Kopplung mit Ausrichtungselement. Typische Dämpfung < 0,3 dB. Schneller als Fusionsspleiss, aber höhere Dämpfung. Für Notfallreparaturen geeignet.
MPO-12
Multi-fiber Push-On Stecker mit 12 Fasern in einem Stecker. Ermöglicht schnelle Verkabelung von 40G/100G-Verbindungen im Rechenzentrum. Auch MPO-24 (24 Fasern) verfügbar.
Multimode
Glasfasern mit mehreren Ausbreitungsmodi (Lichtwegen). Größerer Kern (~50 µm). Siehe OM3, OM4.
N
Netzersatzanlage
Dieselgenerator zur längerfristigen Stromversorgung bei Netzausfall (Stunden bis Tage). Ergänzt USV in kritischen Infrastrukturen.
NEXT
Near End Crosstalk - Übersprechen von einem Aderpaar auf ein anderes am nahen Ende. Messgröße in dB. Je höher, desto besser (weniger Störung).
Normenhierarchie
ISO/IEC 11801 (International) → EN 50173 (Europa) → DIN EN 50173 (Deutschland).
Normenkonformität
Übereinstimmung mit Anforderungen einer oder mehrerer Normen.
O
OM3
Multimode-Glasfaser Typ 3. Max. 2.000 m Reichweite bei 10 Gbit/s. Standard vor OM4.
OM4
Multimode-Glasfaser Typ 4. Max. 2.000 m Reichweite. Neuere Generation mit höherer Bandbreite als OM3.
OS2
Singlemode-Glasfaser Typ. Sehr kleine Kern (~8 µm). Max. 3.000 m innerhalb Norm, theoretisch bis 60 km. Für lange Distanzen bevorzugt.
OTDR
Optical Time Domain Reflectometer - Messinstrument zur Längenmessung und Fehlersuche bei Glasfaser. Erkennt Brüche, Spleiße, Stecker und Dämpfungsstellen.
OLTS
Optical Loss Test Set - Messgerät für Dämpfungsmessung bei Glasfaser. Besteht aus Lichtquelle und Leistungsmesser. Einfacher als OTDR, aber ohne Fehlerortung.
P
Pigtail (Schirmfehler)
FEHLERHAFTE Schirmanbindung: Schirmgeflecht wird zu einem langen Draht zusammengedrillt und dann geerdet. Wirkt als Antenne und verschlechtert EMV-Eigenschaften massiv. Korrekt ist stattdessen 360-Grad-Kontaktierung. Häufiger Installationsfehler!
PoE
Power over Ethernet - Stromversorgung über das Netzwerkkabel (IEEE 802.3af/at/bt). Ermöglicht Versorgung von IP-Telefonen, WLAN-Access-Points, Kameras etc. ohne separate Stromleitung.
PoE+
Enhanced Power over Ethernet (IEEE 802.3at) - Bis zu 25,5 W am Endgerät. Für Access Points, PTZ-Kameras.
PoE++
High Power PoE (IEEE 802.3bt) - Bis zu 71 W (Typ 3) oder 90 W (Typ 4) am Endgerät. Für Thin Clients, LED-Leuchten, kleine Displays.
Patchkabel
Flexibles Verbindungskabel zwischen Patchpanel und Switch oder zwischen Datendose und Endgerät. Teil des “Channels” (Gesamtstrecke).
Patchpanel
Passive Komponente mit RJ45-Buchsen, über die einzelne Installationskabel angesteckt werden. Ermöglicht flexible Verdrahtung.
Permanent Link
Fest verlegte Verkabelung ohne Patchkabel. Maximum: 90 m. Basis für Abnahmemessung nach Norm.
Potentialausgleich
Verbindung von Metallteilen zum Erdpotential zur Vermeidung von Potentialdifferenzen. Kritisch für EMV.
Potentialausgleichsschiene
Kupferschiene (PAS) zur Verbindung aller Erdungspunkte in einem Verteilerraum. Sternförmige Anbindung aller Schränke.
Primärverkabelung
Erste hierarchische Ebene: Verbindung zwischen Gebäuden auf einem Campus. Medium: Lichtwellenleiter (bevorzugt). Auch: Geländeverkabelung.
PS-NEXT
Power Sum NEXT - Summierte Störeinflüsse aller Paare auf ein Paar. Realitätsnäher als einfaches NEXT. Grenzwert meist strenger.
R
Return Loss
Rückflussdämpfung - Messgröße für Impedanzfehlanpassung. Ursache: Schlechte Stecker, Knicke, Impedanzsprünge. Je höher, desto besser.
RJ45
Registered Jack 45 - Standard-Netzwerkstecker. 8-polig, de-facto Standard für alle Kategorien. Auch: Stecker oder Buchse.
RuK
Siehe Rundfunk und Kommunikationstechnik (RuK).
Rückflussdämpfung
Siehe Return Loss.
Rangierverteiler
Passiver Verteiler mit Patchpanels zur flexiblen Verbindung von Kabeln. Ermöglicht schnelles Umpatchen ohne Änderung der festen Verkabelung.
Rechenzentrum
Data Center - Spezialisierter Raum/Gebäude für Server- und Netzwerkinfrastruktur. Geregelt in EN 50173-5 und EN 50600.
Redundanzkonzept
Strategie zur Erhöhung der Verfügbarkeit durch mehrfache Auslegung kritischer Komponenten. Konzepte: N (keine), N+1 (eine Reserve), 2N (vollständig doppelt), 2(N+1) (doppelt plus Reserve).
Referenzmessung
Kalibrierung des Messgeräts vor der eigentlichen Messung. Bei Kupfer: Adapter-Kalibrierung. Bei LWL: Nullmessung mit Referenzkabel. Kritisch für korrekte Messergebnisse.
Reservefaktor
Planungsreserve bei der Dimensionierung. Empfehlung: 20-30% mehr Anschlüsse als aktuell benötigt für zukünftige Erweiterungen.
Rundfunk und Kommunikationstechnik
Anwendungsbereich in Wohnungen: Kombination von Broadcast (TV/Radio) und bidirektionaler Kommunikation. Abkürzung: RuK.
Router
Aktive Netzwerkkomponente zur Verbindung verschiedener Netzwerke (Layer 3). Leitet Pakete anhand von IP-Adressen weiter. Nicht zu verwechseln mit Switch.
S
Spine-Switch
Zentrale Switching-Schicht in Leaf-Spine-Architektur (Rechenzentrum). Verbindet alle Leaf-Switches (ToR/EoR) miteinander für gleichmäßige Latenz. Typisch 40/100/400 Gbit/s Ports.
Spleiss
Dauerhafte Verbindung zweier Glasfasern durch Verschmelzen (Fusionsspleiss) oder mechanische Kopplung. Fusionsspleiss: < 0,1 dB Dämpfung. Mechanischer Spleiss: < 0,3 dB.
Switch
Aktive Netzwerkkomponente zur Verbindung von Endgeräten im selben Netzwerk (Layer 2). Leitet Frames anhand von MAC-Adressen weiter. Sitzt typisch im Etagenverteiler.
S/FTP
Screened Foiled Twisted Pair - Kabeltyp mit Gesamtschirm (Geflecht) UND Paarschirme (Folien). Sehr hohe EMV-Schutzwirkung. Standard in Industrieumgebungen.
S/UTP
Screened Unshielded Twisted Pair - Kabeltyp mit Geflechtschirm um alle Paare, aber ohne Paarschirme. Kompromiss zwischen UTP und S/FTP.
Schirmanbindung
Verbindung der Schirmung mit dem Erdungssystem. Muss 360°-Kontaktierung sein. Kritisch für EMV.
Sekundärverkabelung
Zweite hierarchische Ebene: Verbindung Standortverteiler ↔ Etagenverteiler. Medium: Glasfaser (bevorzugt) oder hochwertige Kupferkabel (Cat 6A+). Auch: Gebäudeverkabelung.
Steigeschacht
Vertikaler Schacht (Steigzone) zur Führung von Kabeln zwischen Etagen. Zentraler Teil der Sekundärverkabelung.
Strukturierte Verkabelung
Systematische, zukunftssichere und anwendungsneutrale Verkabelung von Gebäuden nach standardisierten Normen (EN 50173). Trennt passive Infrastruktur von aktiven Komponenten.
SF/FTP
Screened Foiled Foiled Twisted Pair - Kabeltyp mit Paarschirmen UND doppeltem Gesamtschirm (Geflecht + Folie). Höchste Schirmung.
Singlemode
Glasfaser mit nur einem Ausbreitungsmodus (Lichtweg). Sehr kleiner Kern (~8 µm). Siehe OS2.
SRKG
Siehe Steuerung, Regelung und Kommunikation in Gebäuden (SRKG).
STP
Shielded Twisted Pair - siehe FTP.
Standortverteiler
Zentraler Verteiler eines Gebäudes. Auch: Gebäudeverteiler (GV) oder Campus Distributor (CD). Abkürzung: SV.
Steuerung, Regelung und Kommunikation in Gebäuden
Anwendungsbereich in Wohnungen: Gebäudeautomation, Heizung, Alarm, Kommunikation. Abkürzung: SRKG.
SV
Standortverteiler - siehe Standortverteiler.
T
TA
Telekommunikations-Anschluss - Datendose, moderner Begriff.
TAE
Telekommunikations-Anschluss-Einheit - Telefondose, historisch. Wird durch TA ersetzt.
TCL
Siehe ELTCTL.
T568A
Verdrahtungsstandard für RJ45-Stecker nach TIA/EIA-568. Adernfolge: weiß-grün, grün, weiß-orange, blau, weiß-blau, orange, weiß-braun, braun. In den USA häufiger verwendet. Wichtig: Im gesamten Projekt einheitlich verwenden!
T568B
Verdrahtungsstandard für RJ45-Stecker nach TIA/EIA-568. Adernfolge: weiß-orange, orange, weiß-grün, blau, weiß-blau, grün, weiß-braun, braun. In Europa der bevorzugte Standard. Wichtig: Im gesamten Projekt einheitlich verwenden!
TDR
Time Domain Reflectometry - Messmethode für Kupferkabel. Sendet Impuls und misst Reflexion zur Längenmessung.
ToR-Switch
Top of Rack Switch - Switch, der oben in jedem Server-Rack montiert ist. Verbindet Server im Rack (kurze Kupferkabel, typisch Cat 6A) mit dem Spine/Core-Netzwerk (LWL-Uplinks). Alternative: EoR (End of Row).
TIA-942
Amerikanischer Standard (Telecommunications Industry Association) für Rechenzentren-Infrastruktur. Definiert Tier-Klassifizierung I-IV.
TK-Raum
Telekommunikationsraum - Separater, klimatisierter Raum für Netzwerkverteiler. Anforderungen nach EN 50173-2.
Tertiärverkabelung
Dritte hierarchische Ebene: Verbindung Etagenverteiler ↔ Arbeitsplätze. Medium: Kupferkabel (Twisted Pair), mindestens Cat 5e. Auch: Etagenverkabelung.
Topologie
Struktur und Anordnung von Komponenten im Netzwerk. Bei strukturierter Verkabelung: sternförmig (hierarchisch).
Trassenquerschnitt
Nutzbare Querschnittsfläche einer Kabeltrasse. Empfohlene Auslastung: max. 50% für Reserven und Wärmeableitung.
Twist
Siehe Verdrillung.
Twisted Pair
Verdrehtes Adernpaar - Grundelement von Kupferkabeln. Reduziert durch Verdrillung das Übersprechen.
U
UTP
Unshielded Twisted Pair - Kabeltyp ohne Schirmung. Ausreichend für unkritische Office-Umgebungen.
Übersprechen
Siehe Crosstalk (NEXT, PS-NEXT).
Übertragungsgeschwindigkeit
Maximale Informationsmenge pro Zeiteinheit. Klassisch: 100 Mbit/s (Cat 5e), 1 Gbit/s (Cat 6), 10 Gbit/s (Cat 6A). Auch: Datenrate.
USV
Unterbrechungsfreie Stromversorgung - Gerät zur Überbrückung von Stromausfällen. Schützt aktive Netzwerkkomponenten vor Datenverlust und ermöglicht kontrolliertes Herunterfahren.
V
Verfügbarkeitsklasse
Klassifizierung von Rechenzentren nach EN 50600. Klasse 1: Basic (99,671% Verfügbarkeit), Klasse 2: Standard (99,741%), Klasse 3: Robust (99,982%), Klasse 4: Hochverfügbar (99,995%). Bestimmt Redundanzanforderungen.
VoIP
Voice over IP - Sprachtelefonie über IP-Netzwerke. Benötigt strukturierte Verkabelung mit ausreichender Qualität (mind. Cat 5e, empfohlen Cat 6A für PoE+).
Verkabelung
Gesamtes System von Kabeln, Steckern, Dosen und Verteilern zur Übertragung von Signalen.
Verkabelungsklasse
Leistungsklasse einer kompletten Übertragungsstrecke nach EN 50173:
- Klasse D: Cat 5 / Cat 5e, 100 MHz, 100 Mbit/s
- Klasse E: Cat 6, 250 MHz, 1 Gbit/s
- Klasse EA: Cat 6A, 500 MHz, 10 Gbit/s
- Klasse F: Cat 7, 600 MHz, 10 Gbit/s
- Klasse FA: Cat 7A, 1.000 MHz, 10-40 Gbit/s
- Klasse I/II: Cat 8.1/8.2, 2.000 MHz, 25-40 Gbit/s
Verdrillung
Regelmäßiges Verdrehen von Adernpaaren. Reduziert Crosstalk. Schritt (Abstand pro Umdrehung) ist designkritisch.
Verteiler
Passive Komponente (z.B. Patchpanel) oder aktives Gerät (Switch), das Kabel zusammenführt und verteilt.
W
Wiremap
Prüfung der Pin-Belegung. Kontrolle: Korrekte Kabelzuordnung 1:1 oder nach T568A/T568B. Häufiger Test in Abnahmeverfahren.
Worst Pair
Schlechteste Paarkombination bei NEXT-Messung (Near End Crosstalk). Bestimmt die Gesamtbewertung der Übersprechdämpfung.
Z
Zukunftssicherheit
Ziel der strukturierten Verkabelung: Infrastruktur soll 10-15 Jahre zukunftssicher sein und neue Technologien unterstützen.
Zahlen und Regeln
10G Ethernet
10-Gigabit-Ethernet - Netzwerkstandard mit 10.000 Mbit/s (10 Gbit/s). Benötigt mindestens Klasse EA (Cat 6A) für 100m Reichweite.
19-Zoll-Schrank
Standardisiertes Gehäuse für IT-Komponenten. Breite: 19 Zoll (482,6 mm). Höhe in Höheneinheiten (HE, 1 HE = 44,45 mm). Typische Höhen: 42 HE (Standschrank), 9-15 HE (Wandschrank).
90m-Regel
Maximale Länge des Installationskabels (Permanent Link) nach EN 50173. Zusammen mit max. 2×5m Patchkabel ergibt sich die 100m-Gesamtstrecke (Channel).
100m-Regel
Maximale Gesamtlänge einer Kupferstrecke (Channel) nach EN 50173. Setzt sich zusammen aus: 90m Installationskabel + 5m Patchkabel (Verteiler) + 5m Patchkabel (Arbeitsplatz).